29-Zoll-Mountainbikes: Was du darüber wissen solltest
Du willst mit einem 29-Zoll-Mountainbike die Trails shredden? Wir erklären die Besonderheiten dieser Laufradgröße, damit du entscheiden kannst, ob ein 29er das richtige MTB für dich ist.
29 Zoll hat sich seit einiger Zeit zur beliebtesten Laufradgröße für Mountainbikes entwickelt. Lange Zeit war 26 Zoll der Standard bei MTBs, aber diese Reifen und Laufräder sind inzwischen bei neuen Fahrrädern fast komplett verschwunden. Die größeren Laufräder verändern das Fahrgefühl deines Bikes erheblich. Du bist unsicher, was größere Räder für dich und deinen Fahrstil bedeuten? In diesem Ratgeber erfährst du die Hintergründe: Woher stammen 29er, welche Vorteile bieten sie – und ist ein 29-Zoll-Mountainbike das Richtige für dich?
Inhalt
Was ist ein 29er Mountainbike?
Ein 29er – basierend auf der englischen Verwendung auch „Twentyniner“ genannt – ist ein Mountainbike, das sowohl vorne als auch hinten mit 29 Zoll großen Laufrädern ausgestattet ist. Anders als bei Rennrädern, die alle mit einer einheitlichen Laufradgröße auskommen, gibt es im Mountainbike-Segment mehrere Laufradgrößen zur Auswahl.
Die Größe der Laufräder beeinflusst maßgeblich das Handling deines Bikes, sein Überrollverhalten bei Hindernissen und wie es sich beim Bergauffahren verhält. Die optimale Laufradgröße für deinen bevorzugten Fahrstil kann entscheidend dazu beitragen, dass du auf dem Trail noch mehr Spaß hast.
Die Geschichte der 29er im Mountainbiking
Was haben Laufräder mit 28 Zoll, 700C, 622 ETRTO und 29 Zoll gemeinsam? Es handelt sich im Endeffekt um dieselbe Größe. Verwirrend, oder? Der Felgendurchmesser ist der gleiche, nämlich 622 Millimeter, aber der Außendurchmesser nähert sich bei breiteren, voluminöseren MTB-Reifen eher 29 Zoll als 28 Zoll, wie es bei den meisten anderen Fahrrädern der Standard ist.
Die Geschichte größerer Laufräder reicht fast so weit zurück wie das Radfahren selbst. Bereits 1886 testete das 25. Infanteriekorps der US-Armee – die legendären Buffalo Soldiers – Fahrräder mit 28-Zoll-Rädern für den militärischen Einsatz.
Als Mountainbikes in den 1970er Jahren Gestalt annahmen, diskutierten die frühen Pioniere der Szene ausgiebig über größere Laufräder. Allerdings fehlten geländetaugliche Reifen in dieser Größe. Robuste Offroad-Reifen gab es damals nur in 26 Zoll, also wurde diese Größe zum Standard.
Erst 1998 produzierte WTB die ersten 700C-Prototypen ihres Nano Raptor Reifens. Rahmenbauer hatten nun endlich einen geländetauglichen Reifen, um den sie ein Bike konstruieren konnten. So entstanden die ersten 29er Mountainbikes. Schon 1999 präsentierte Willits (ein kleiner Hersteller mit einer Spezialisierung auf Titanrahmen) auf der Interbike ein Fully Mountainbike mit 29 Zoll großen Laufrädern.
2002 erreichten die 29er dann den Mainstream, als Gary Fisher die ersten in Serie produzierten Mountainbikes mit größeren Laufrädern auf den Markt brachte. Sie wurden „29er“, also „Twentyniner“ genannt – und diese Bezeichnung hat sich bis heute gehalten.
Obwohl die Szene von Anfang an begeistert war, brauchten die großen Laufräder über ein Jahrzehnt, um sich durchzusetzen. Während sich 26-Zoll-Mountainbikes zu echten Trail-Monstern mit langem Federweg und aggressiver Geometrie entwickelten, blieben 29er MTBs lange Zeit auf eine Nische im Trail- und Cross-Country-Bereich beschränkt.
Erst Mitte der 2010er Jahre gelang es den Entwicklern, die Fortschritte der 26er MTBs auf die 29er zu übertragen. Danach gab es kein Halten mehr: Bald eroberten die größeren Laufräder sogar den Downhill-Weltcup, die Königsdisziplin des technischen Fahrens.
Heute ist 29 Zoll die gängigste Laufradgröße bei Mountainbikes. Die Mehrheit aller verkauften MTBs hat mindestens ein 29-Zoll-Laufrad.
Warum ein 29-Zoll-Mountainbike wählen? Die Vorteile
29-Zoll-Laufräder haben sich bei MTBs durchgesetzt, weil sie gegenüber kleineren Laufrädern zahlreiche Vorteile bieten:
- Besseres Rollverhalten: Größere Räder erfordern etwas mehr Kraft beim Beschleunigen. Aber sind sie erst einmal in Fahrt, rollen sie effizienter und halten das Tempo besser als kleinere Laufräder.
- Mehr Traktion: Größere Reifen haben eine größere Kontakt- bzw. Aufstandsfläche zum Boden. Dadurch haben 29er Laufräder mehr Grip – ein klarer Vorteil bergauf ebenso wie bergab.
- Überlegenes Überrollverhalten: Größere Räder überwinden Unebenheiten und Hindernisse wie Wurzeln und Steine leichter als kleine.
Wegen dieser Eigenschaften sind 29-Zoll-Mountainbikes besonders beliebt bei Fahrern, die längere Touren unternehmen, Cross-Country-Rennen fahren oder in den deutschen Mittelgebirgen und Alpen unterwegs sind – überall dort, wo sich technische Anstiege und schnelle Abfahrten abwechseln.
Welche Nachteile hat ein 29-Zoll-Mountainbike?
Je nach Fahrertyp und Körpergröße können Laufräder mit 29 Zoll auch Nachteile beim Mountainbiken haben:
Passform und Körpergröße
Die Passform ist einer der wichtigsten Faktoren für den Fahrkomfort. Kleine Menschen empfinden MTBs mit 29-Zoll-Laufrädern möglicherweise als zu groß und unhandlich auf dem Trail. Die endgültige Entscheidung, ob ein größeres Laufrad passt, hängt aber oft weniger von der Körpergröße als von der Fahrerfahrung ab.
Beim Canyon Neuron gibt es einen sogenannten Size-Split: Wir bieten die beiden kleinsten Größen (XS und S) mit 27,5-Zoll-Laufrädern an und die größeren Rahmen sind mit 29-Zoll-Laufrädern ausgestattet. Der Grund: Das Neuron ist als unkompliziertes, einfach zu fahrendes Bike konzipiert. Für Menschen bis zu einer Körpergröße von etwa 1,77 Metern, die unsere kleinen Größen fahren, sind 27,5-Zoll-Räder leichter in der Handhabung, weil sie weniger sperrig sind.
Unsere Cross-Country-Rennmaschine, das Lux, gibt es hingegen ausschließlich mit 29-Zoll-Laufrädern. Der Grund ist einfach: 29-Zoll-Räder rollen nachweislich schneller. Wer Rennen fährt, nimmt die Herausforderung eines größeren Laufrads in Kauf, wenn das mehr Geschwindigkeit bedeutet.
Handling und Fahrverhalten von 29-Zoll-MTBs auf engen Trails
Falls Handling und Fahrverhalten für dich ausschlaggebend sind, kann und muss die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Laufradgröße sehr individuell ausfallen. Ein 29-Zoll-Vorderrad erfordert beim Einlenken etwas mehr Kraft als ein kleineres Rad. Der zusätzliche Grip kann in bestimmten Situationen sogar ein Nachteil sein – etwa, wenn du das Hinterrad bewusst zum Driften bringen möchtest. Genau deshalb haben wir unser Trail Bike, das Spectral, so konstruiert, dass du dank eines einfachen Flip-Chips sowohl ein Hinterrad mit 29 Zoll als auch mit 27,5 Zoll verwenden kannst. Wähle also das Setup, das am besten zu dir und deinen Vorlieben passt.
Wie verändert sich die Geometrie bei 29er MTBs?
In den Anfangstagen der 29er Mountainbikes glaubten viele, dass sie eine grundsätzlich andere Geometrie benötigen als Bikes mit kleineren Laufrädern. Heute wissen wir: Das stimmt nicht mehr. Der Einsatzzweck des Bikes bestimmt die Geometrie maßgeblich – nicht die Laufradgröße.
Zwei Maße verändern sich dennoch abhängig von der Laufradgröße:
- Tretlagerhöhe: Das Tretlager-Offset beschreibt den vertikalen Abfall des Tretlagers im Verhältnis zur imaginären Linie zwischen den Radachsen. Dieser Abstand fällt bei 29ern in der Regel größer aus als bei 27,5ern oder klassischen 26ern. Nur so befindet sich die Kurbel auf derselben Höhe über dem Boden wie bei MTBs mit kleineren Laufrädern.
- Kettenstrebenlänge: Die Kettenstreben müssen bei 29ern etwas länger sein, damit das größere Hinterrad ausreichend Platz hat.
Diese Geometrieanpassungen sind bei modernen Mountainbikes mit 29 Zoll bereits im Rahmendesign berücksichtigt. Du merkst davon beim Fahren nichts, nur die positiven Eigenschaften der größeren Laufräder.
Spectral: Zwei Setups, ein Ziel – purer Spaß auf jedem Trail
- Spectral CF 7 Mullet: Agil, verspielt und bereit, von jeder Linie abzuspringen – das Mullet-Spectral bringt deine wilde Seite auf technischen Trails zum Vorschein.
- Spectral CF 7 29er: Schnell, souverän und auf Vortrieb ausgelegt – das 29er-Spectral rollt über alles hinweg, was sich ihm in den Weg stellt, gemacht für Fahrer, die nach Flow und Speed suchen.
Für welche Fahrtypen eignen sich 29-Zoll-Mountainbikes?
Ob ein 29-Zoller zu dir passt, hängt im Endeffekt von deinem bevorzugten Fahrstil ab:
29er Mountainbikes für Einsteiger
Wenn du auf der Suche nach deinem ersten Mountainbike bist, ist die Gesamtpassform wichtiger als die Laufradgröße. Wähle ein Bike, das zu deinen Körperproportionen, deinem Budget und dem geplanten Einsatzgebiet passt. Mach dir über die Laufradgröße nicht allzu viele Gedanken.
Viele unserer einsteigerfreundlichen Bikes wie das Grand Canyon bieten wir mit Size-Split an, also mit 27,5-Zoll-Laufrädern in den kleineren Rahmengrößen. Diese sind für kleinere Fahrer leichter zu handhaben. Die größeren Rahmen (ab Größe M) sind alle mit 29-Zoll-Laufrädern ausgestattet. Bei der Wahl der optimalen Laufradgröße geht es hier eher um die Passform und weniger um die Performance.
29ers for cross-country riding and endurance
Wenn es dir hauptsächlich darum geht, schnell Strecke zu machen, ist ein 29er MTB immer die erste Wahl. Die zusätzliche Rollgeschwindigkeit und die bessere Traktion der größeren Räder beim Klettern sind unverzichtbar.
Unser geschwindigkeitsorientiertes Hardtail, das Exceed, ist das perfekte Beispiel dafür. Egal, ob du es für Cross-Country-Rennen oder ausgedehnte Gravel-Abenteuer nutzt – Fahrer aller Größen profitieren von den Vorteilen der 29-Zoll-Laufräder. Gerade auf langen Alpencross-Etappen oder ausgedehnten Mittelgebirgstouren zeigen 29er ihre Stärken.
29er MTBs fürs Trailfahren
Hier wird die Frage nach der Laufradgröße knifflig. Beim Trail-Riding gibt es kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist nur, was dir Spaß macht.
- Drehst du gern ausgedehnte Runden und erkundest neue Trails? Dann passt ein 29-Zoll-MTB wahrscheinlich am besten zu dir.
- Shreddest du am liebsten die Abfahrten und reizen dich technisch anspruchsvolle Strecken? Vielleicht ist dann ein Mullet-Setup mit 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten das richtige für dich.
Deshalb haben wir unser Spectral so konstruiert, dass du mit einem einfachen Flip-Chip zwischen beiden Setups wechseln kannst.
Du möchtest mehr darüber erfahren? Unsere Ratgeber zu den Vor- und Nachteilen von Mullet-Bikes sowie der Vergleich von Mullet-Bikes vs. 29ern beleuchten weitere Details zu den verschiedenen Setups.
29er für Enduro-Rennen
Beim Enduro auf 29er Laufräder zu setzen, mag unlogisch klingen, da die Zeit auf den Abfahrtspassagen entscheidend ist. Wir sind jedoch überzeugt, dass größere Laufräder die beste Wahl für diese Disziplin sind. Auf den steilsten, technisch anspruchsvollsten Passagen einer Strecke mögen kleinere Laufräder von Vorteil sein. Aber du darfst auch nicht den Rest der Strecke vergessen. Diese besteht meist aus langen Anstiegen und tretintensiven Abschnitten. Auf solch abwechslungsreichen Renntagen haben unsere Profifahrer festgestellt, dass 29-Zoll-MTBs am schnellsten sind. Deshalb ist das Torque, unser Enduro Bike, ein vollwertiges 29er in jeder Größe.
29er im Downhill-Racing
Eine Zeit lang herrschte die Meinung vor, dass größere Fahrer beim Downhill (DH) besser auf 29 Zoll vorn und hinten setzen sollten, während kleinere Fahrer eher ein Mullet Setup mit einem 27,5-Zoll Hinterrad fahren sollten.
Unser CLLCTV Factory Downhill Team hat in ausgiebigen Tests jedoch das Gegenteil bewiesen: Ein Mullet-Setup ist für Weltcup-Rennen im DH die beste Wahl – unabhängig von der Körpergröße des Fahrers. Deshalb ist unser Sender inzwischen ausschließlich als Mullet erhältlich.
Entscheidungshilfe: Ist ein 29er das richtige MTB für dich?
Die Wahl eines 29-Zoll-Mountainbikes hängt grundsätzlich von der Passform und deinen Vorlieben ab.
Für weniger erfahrene Fahrer steht die Passform im Vordergrund. Die Vorteile beim Handling eines kleineren Rades verbessern das Fahrerlebnis für kleinere Fahrer spürbar. Das wiegt mögliche Performance-Nachteile auf.
Für erfahrene Fahrer und Racer kommt es auf die Vorlieben und den Fahrstil an. Was passt am besten zu dir als Fahrer?
Wir haben eine Reihe von Kaufratgebern entwickelt, die dir helfen, das passende Canyon Bike für deinen Fahrstil zu finden.
- Falls du deinen Fahrstil noch nicht kennst, nutze den Bike-Finder. Mithilfe einiger einfacher Fragen hilft er dir zu verstehen, welche Arten von Mountainbikes am ehesten für dich infrage kommen.
- Oder hast du bereits einige Bikes in die engere Auswahl genommen, kannst dich aber nicht entscheiden? Das Vergleichs-Tool stellt die Bikes direkt gegenüber, damit du die Unterschiede auf einen Blick erkennst.
Mountainbiker haben jahrelang online, auf den Trails und abseits davon über die richtige Laufradgröße diskutiert. Wir sind überzeugt: Wenn du ein Mountainbike findest, das zu dir, deinem Budget und deinem Fahrstil passt, wirst du Spaß damit haben – unabhängig von der Laufradgröße.
Häufige Fragen zu 29er Mountainbikes
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Über den AutorMatt Wragg
Lerne Matt Wragg kennen, den freiberuflichen Fotografen, Autor und selbsternannten Fahrrad-Zerstörer aus Nizza, Frankreich. Trotz erfolgloser Versuche bei XC-, Trial-, 4X- und DH-Rennen hat Matts Leidenschaft für das Mountainbiken nie nachgelassen. Nach einer Zeit in der Kommunikationsberatung beschloss er, seiner Liebe zum Radsport nachzugehen und zog nach Neuseeland. Seitdem hat er die Welt bereist, Trails gejagt und eine erfolgreiche Karriere als Radsportfotograf und -autor aufgebaut. Im Jahr 2021 wurde bei ihm Autismus diagnostiziert, mit dem er seither leben lernt. Sein Fahrradkeller ist ein echtes Zeugnis seiner Liebe zum Radsport und beherbergt Fahrräder, die von Freeride bis Cargo reichen.